Europa
Europäische Aktien erlitten während des Großteils des Monats September
massive Einbußen, weil die Auswirkungen der Kreditverknappung auf das globale
Finanzsystem an den Märkten erneut das einzige Gesprächsthema waren.
Europäische Aktien erwischten zunächst einen schwachen Start, legten aber nach
der Übernahme der Hypothekenriesen Freddie Mac und Fannie Mae durch die
US-Regierung zu. Leider ging es dann aber fast nur noch bergab. Die Vielzahl
schlimmer Ereignisse im US-Finanzsektor verunsicherte die Anleger zutiefst,
obwohl die globalen Aktienkurse wieder anzogen, nachdem die Regierungen
weltweit einschritten und Short-Verkäufe von Bankentiteln untersagten. Diese
Erholungsphase war jedoch nur von kurzer Dauer, da Aktien aus dem
Rohstoffumfeld weiter an Boden verloren. Der Grund dafür waren konjunkturelle
Besorgnisse. Bald darauf geriet der Markt dann aufgrund der Nachricht, dass
Belgien, die Niederlande und Luxemburg der Fortis Bank zur Hilfe geeilt waren,
sowie wegen der kurz darauf folgenden Rettung der Dexia Bank durch Belgien und
Luxemburg erneut in Aufruhr. Die europäischen Aktienmärkte erlitten einen
weiteren heftigen Rückschlag, als das US-Rettungspaket zur Übernahme fauler
Hypothekenkredite im Kongress scheiterte. Am letzten Tag des Monats erholten
sich die Märkte dann aber wieder, weil bekannt wurde, dass die US-Regierung
einen weiteren Versuch unternommen hatte, erneut ein Rettungspaket zu
schnüren.
| | GBP | EUR | USD | Lokale Währung |
| FTSE Europe ex. GB | -13,01% | -10,89% | -14,99% | 11,02% |
Nordamerika
Der September war für das US-Finanzsystem und die Aktienmärkte eine
stürmische Zeit. Die Ereignisse an der Wall Street sowie in Washington hallten
in der ganzen Welt nach. Die Credit-Krise rückte wieder ins Zentrum des
Interesses und drängte die wirtschaftlichen Entwicklungen in den Hintergrund.
Die Aktienkurse brachen ein, weil Ereignisse, die die Finanzwirtschaft
grundlegend veränderten, die Schlagzeilen bestimmten. Die anfängliche
Erleichterung, für die die Maßnahmen der US-Behörden gesorgt hatten, als sie
die Kontrolle über die Hypothekenriesen Freddie Mac und Fannie Mae übernommen
hatten, wich dem Schock, den der Zusammenbruch von Lehman Brothers, die
Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America sowie die
Finanzierungsprobleme und die darauffolgende Rettung des Versicherungsgiganten
AIG ausgelöst hatten. Die verbliebenen großen Investmentbanken Goldman Sachs
und Morgan Stanley wurden zu Geschäftsbanken umfirmiert, um so einen größeren
Handlungsspielraum zu erhalten. Die Aktienkurse stiegen zwar Mitte September
wieder an, nachdem die Regierung eingeschritten war und Short-Verkäufe von
Bankentiteln unterbunden hatte, aber diese Rallye erwies sich als kurzlebig,
denn im weiteren Verlauf des Monats brachen weitere bedeutende Banken
nacheinander wie Dominosteine zusammen. Die größte US-amerikanische Sparkasse
Washington Mutual meldete Konkurs an, und ihre Einlagen wurden von den
Aufsichtsbehörden, die einen schnellen Verkauf eines Großteils der
Firmenanteile an JP Morgan Chase arrangierten, eingefroren. Dies war der größte
Bankenkonkurs in der US-Geschichte. Kurz darauf folgte gegen Ende des Monats
der Verkauf der Mehrheitsanteile an Wachovia an die Citibank. Die Entscheidung
von US-Finanzminister Hank Paulson, ein 700 Mrd. Dollar-Rettungspaket zu
schnüren, um den amerikanischen Banken alle faulen Subprime-Kredite abzukaufen,
schien dem US-Kongress dann jedoch zuviel des Guten. Insbesondere Abgeordnete
der Republikaner sträubten sich gegen diese riesige Summe. Infolgedessen gab
der Dow Jones Industrials-Index fast 778 Punkte ab und erlitt damit (in Punkten
gerechnet) den stärksten Einbruch seiner Geschichte. Die Dringlichkeit der
Situation veranlasste die Regierung, unverzüglich zu handeln und Ende des
Monats eine überarbeitete Fassung des Rettungspakets vorzulegen, das für den
Kongress akzeptabel war.
| | GBP | EUR | USD | Lokale Währung |
| S&P 500 | -6,79% | -4,52% | -8,91% | -8,91% |
Großbritannien
Die Ereignisse in London spiegelten die Turbulenzen in New York wider. So
erlitten die Aktienkurse angesichts eines sehr schwankungsreichen Handels
während des Großteils des Monats schwere Verluste. Schlechte Nachrichten aus
dem Finanzsektor, sowohl dem einheimischen als auch dem US-amerikanischen,
sorgten im September für die deutlichsten Einbußen. Im Monatsverlauf wurde die
Konsolidierung des in Schwierigkeiten befindlichen Bankensektors zum Thema. Die
Meldung, dass Nationwide die unrentablen Baufirmen Derbyshire und Cheshire
übernehmen würde, wurde aber bald von der Nachricht überschattet, dass die in
Schieflage geratene Bankengruppe HBOS vor einer Übernahme durch Lloyds TSB Bank
stünde. Der Londoner Aktienmarkt legte zwar zu, nachdem die Financial Services
Authority Short-Verkäufe von Finanztiteln untersagt hatte, aber diese
Erholungsphase hielt nicht lange an. Die Aktienkurse sanken erneut, weil die
Besorgnisse der Anleger um eine Erholungsphase sowie die Aktienkursentwicklung
von Finanzunternehmen wieder in den Vordergrund rückten. Die Nachricht, dass
die britische Regierung die Kontrolle über Bradford & Bingley übernommen
hat, als dieses Unternehmen nicht in der Lage war, Zahlungsverpflichtungen
nachzukommen oder faule Hypothekenkredite aus seinen Büchern zu streichen,
führte zu weiteren massiven Kursverlusten. Der Markt erlitt noch weitere
beträchtliche Einbußen, als bekannt wurde, dass der Kongress der US-Regierung
seine Zustimmung zum Rettungspaket für den Finanzsektor versagt hatte.
| | GBP | EUR | USD | Lokale Währung |
| FTSE All-Share | -13,24% | -11,12% | -15,21% | -13,24% |
Japan
Japanische Aktien verloren aufgrund der zunehmenden Besorgnisse um eine
Rezession sowie wegen der Ängste vor den Auswirkungen der Turbulenzen an den
globalen Finanzmärkten auf japanische Unternehmen an Wert. Seit Monatsbeginn
belasteten die Besorgnisse um die sich eintrübende Weltwirtschaft und deren
Folgen für Exportunternehmen den Markt. Die Aktienkurse legten aber wieder zu,
als bekannt wurde, dass die US-Regierung Fannie Mae und Freddie Mac übernimmt,
und weil die Besorgnisse um die Kreditverknappung nachließen. Diese Zuversicht
war aber nur von kurzer Dauer. Ein paar Tage später brachen die Aktienkurse
erneut ein, nachdem die Anleger erfahren hatten, dass Lehman Brothers in die
Insolvenz getrieben worden war. In den darauf folgenden Tagen kam es zu
Hilferufen anderer großer US-amerikanischer Finanzkonzerne, wodurch japanische
Aktien weiter unter Druck blieben. Der Aktienmarkt erholte sich schließlich
wieder, nachdem die US-Regierung sowie andere Staaten Maßnahmen ergriffen
hatten, um Short-Verkäufe von Bankentiteln zu unterbinden, und da der
US-Finanzminister ein Rettungspaket schnürte, um den Banken faule Kredite
abzukaufen. Diese Erholung erwies sich aber als lediglich vorübergehend, denn
der japanische Markt brach zum Ende des Monats auf ein 4-Jahrestief ein. Der
Grund dafür war das Nein des US-Kongresses zum Rettungspaket.
| | GBP | EUR | USD | Lokale Währung |
| Japan Topix | -8,61% | -6,39% | -10,69% | -12,63% |
Asien Pazifik
Die asiatischen Aktienmärkte gingen während eines turbulenten Handelsmonats
deutlich zurück. Der Auslöser dafür waren zunehmende Besorgnisse um die
Auswirkungen der Probleme des globalen Finanzsystems auf die exportorientierten
Volkswirtschaften der Region. Asiatische Aktien legten wegen der Nachricht,
dass die US-Regierung die in Schieflage geratenen US-Hypothekenfirmen Fannie
Mae und Freddie Mac übernehmen würde, aber kurzfristig zu, weil dieser Schritt
die Besorgnisse um die globale Finanzkrise milderte. Die Sorgen kehrten jedoch
schnell zurück, nachdem die Anleger erfahren hatten, dass Lehman Brothers
Insolvenz angemeldet hatte, und anschließend auch noch der globale
Versicherungsriese AIG zusammenbrach und deshalb auf die Hilfe der US-Regierung
angewiesen war. Trotz einer zwar kräftigen, aber nur kurzzeitigen Rallye, die
von den Maßnahmen einiger Regierungen zur Unterbindung von Short-Verkäufen von
Bankenaktien ausgelöst worden war, belastete eine Welle weiterer Insolvenzen
und Rettungsmaßnahmen für Finanzunternehmen das Vertrauen der Anleger weiter.
Die Aktienkurse stiegen schließlich erneut an, nachdem der US-Finanzminister
ein Rettungspaket geschnürt hatte, im Rahmen dessen von den Banken faule
Kredite übernommen werden sollten. Die Hochstimmung darüber war an den Märkten
dann aber wieder schnell verflogen, als der US-Kongress gegen dieses Paket
stimmte. Diese Entscheidung schickte die asiatischen Märkte zum Monatsende
wieder auf Talfahrt. Die Meldung, dass ein erneuter Versuch unternommen wird,
den Paulson-Plan zu retten, trug schließlich dazu bei, dass sich asiatische
Aktien am letzten Tag des Monats September wieder etwas erholen konnten.
| | GBP | EUR | USD | Lokale Währung |
| MSCI Asia Pacific ex Japan | -14,80% | -12,73% | -16,74% | -12,68% |
Anleihen
Die Entwicklung von Staatsanleihen übertraf im September sowohl die von
Anleihen mit Investmentstatus als auch die von Hochzinsanleihen. Die Auslöser
dafür waren eine Reihe von Bankinsolvenzen sowie staatliche Rettungsmaßnahmen
für führende Unternehmen der globalen Finanzbranche. Dies hatte eine
ausgeprägte „Flucht in Qualität“ zur Folge. Die anfängliche Erleichterung, für
die die Maßnahmen der US-Behörden gesorgt hatten, als sie die Kontrolle über
die Hypothekenriesen Freddie Mac und Fannie Mae übernommen hatten, wich dann
aber dem Schock, den der Zusammenbruch von Lehman Brothers, die Übernahme von
Merrill Lynch durch die Bank of America sowie die Finanzierungsprobleme und die
darauffolgende Rettung von AIG, einem der weltweit größten Versicherer,
ausgelöst hatten. Die US-Regierung wird aber enorme Summen aufwenden müssen, um
diese Unterstützungsmaßnahmen zu finanzieren. Dies belastete US-Staatsanleihen
zwischenzeitlich. Indexgebundene Anleihen tendierten schwächer als ihre
nominalen Staatsanleihen- Pendants, weil die sich eintrübenden
Wirtschaftsaussichten zu gestiegenen Erwartungen auf eine sinkende Inflation
führten.
| | GBP | EUR | USD | Lokale Währung |
| JP Morgan Global Government all stocks | 1,34% | 3,80% | -0,97% | 0,29% |